Susanne Kirnbauer-Bundy

Choreografin für Ballett, Operette, Oper und Musical, Event-Regisseurin, Moderatorin

Arthur Schnitzler und sein „Reigen“
Premiere: 12. Juni 1988
an der Wiener Volksoper

Schon als Tänzerin habe ich mich gewundert, dass in den letzten Jahren Themen, die Wien – seine Menschen, seine Musik, seine Atmosphäre – betreffen, im Ausland entstanden. Man denke nur an George Balanchines „Vienna Waltzes“, Maurice Béjarts „Wien, Wien, nur du allein“ oder Kenneth McMillans „Mayerling“.
Deshalb war es mir ein Bedürfnis, für das Ballett der Wiener Volksoper ein aus Wien gewachsenes, unserem Empfinden entsprechendes Werk zu schaffen.
Auf der Suche nach einem geeigneten Stoff stieß ich auf das Werk Arthur Schnitzlers. Die Zeit, in der seine Stücke spielen, und die Mann-Frau Beziehung haben mich von jeher fasziniert.
Das „Reigen“-Thema bot sich hervorragend an, umso mehr, als „Reigen“ für Tanz steht. Und nicht zuletzt für viele Tänzer der Kompanie die Möglichkeit besteht, sich in den Episodenrollen zu präsentieren (was bei abendfüllenden Balletten eher selten ist).

Um die ewige Suche nach der Symbiose von körperlicher und geistiger Liebe anschaulicher zu gestalten, schien mir der Briefwechsel zwischen Hedy Kempny und Arthur Schnitzler eine ideale Ergänzung zum „Reigen“. Menschen für den Tanz und das Volksopernballett zu gewinnen, das ist mein Bestreben – und dies soll der Anfang sein.

Susanne Kirnbauer

Unter den vielen, von den Zeitgenossen mißverstandenen Werken Arthur Schnitzlers war sein "Reigen" wohl das mißverstandendste.Deshalb wollte der Dichter auch nach den Uraufführungs-Turbulenzen keiner szenischen Realisierung mehr zustimmen. Nichts war ihm ferner gelegen, als durch ein Skandalstück seine Umwelt zu schockieren ... Der Briefwechsel mit Hedy Kempny und ihre Tagebuchnotizen hingegen liefern uns den Beweis, daß Arthur Schnitzler - zumindest zeitweilig - der Ausbruch aus dem "Reigen" gelungen ist.

Robert Kittler
Text: Programmheft der Wiener Volksoper zum Ballettabend „Arthur Schnitzler und sein Reigen“.