Susanne Kirnbauer-Bundy

Choreografin für Ballett, Operette, Oper und Musical, Event-Regisseurin, Moderatorin

Aschenbrödel
Premiere: 28. April 1991
an der Wiener Volksoper

Aschenbroedel

Aschenbrödel verliert beim Verlassen des Balls seinen Schuh.
Der Prinz, der sich in Aschenbrödel verliebt hat, findet ihn und lässt im ganzen Land nach der Frau suchen, der dieser Schuh gehört. Der Gedanke mit dem Schuh wird zu einem zentralen Anliegen! Die gute Fee kleidet Aschenbrödel zum Ball ein und schenkt ihm ein besonderes Paar Ballschuhe. Elegante Schuhe bedeuten für viele Menschen das sichtbare Erkennungszeichen sozialen Wohlstands. Für mich musste also die Tänzerin des Aschenbrödels am Anfang barfuß sein, durch die Gabe der Fee wird sie auf „die Spitze gehoben“. In der Tänzerwelt betrachten die Spitzentänzer – also die KLASSISCHEN – die BARFUSSTANZENDEN – als nicht gleichwertig.
Wie das ist bei „normalen Menschen“? Genauso.
Wie oft zwängen sich Damen in schöne Schuhe, stöckeln und staksen damit durch die Gegend, wie anstrengend ist eine durchtanzte Ballnacht!
Die Ballgesellschaft in unserer Aufführung sollte also raffinierte Modetorheiten als
Schuhwerk bekommen, damit ein sich daraus ergebendes „Bewegungsvokabular“ entstehen konnte.
Trink dazu, trink dazu – aus dem schönen kleinen Schuh, - in der Operette „Bettelstudent“ wird der Schuh der geliebten Frau zum Pokal! Der Schuh als Gegenstand einer erotischen Beziehung?
Die Blicke der Männer auf den Schuh, sprich Fuß zu lenken und ihnen zu erlauben, das Bein weiter zu verfolgen, - dies war in den früheren Zeiten ein kokettes und frivoles Spiel. – Früher?
3. Akt. „ASCHENBRÖDEL erwacht nach dem Ball“: Bipolarität: barfuß und ballettbeschuht, Spaß für einen grotesken Tanzstil,...wo drückt der Schuh?...

 

Text: Susanne Kirnbauer, in: Programmheft der Wiener Volksoper zum Ballettabend „Aschenbrödel“.